2009
Die Ehe ist das höchste Glück – Nachforschungen über Lene S.

Ein Dorf erinnert sich an jene junge Frau, deren schicksalhaftes Leben ausgerechnet an diesem Ort eine unerwartete Wende nahm. Gründe und Folgen des Ungewohnten und nicht Nachvollziehbaren werden von den Stammgästen einer Dorfbeiz erörtert, diskutiert und ins vermeintlich rechte Licht gerückt. In einem mehrstimmigen Erinnerungsstrom entsteht so nach und nach das detailgetreue Bild der Lene S., eine jener Frauen, die ihr eigenes Schicksal den Händen von Männern überlassen – um dann doch, zum Selbstschutz, des Überlebens willen, mit einer solchen Macht über sich selbst hinaus wachsen, dass es einer Explosion gleichkommt.
Dieses unprätentiöse Stück über Glück, Gewalt und scheiternde Träume ist aktueller denn je. Fragen zu Moral und gesellschaftlicher Verantwortung werden interessant und mit intelligenten Querbezügen zum Hier und Jetzt auf die Theaterbühne gebracht. Subtil und mit feinem Gespür für das Urmenschliche lässt die Inszenierung vielschichtige Bilder und Antworten entstehen.
Schauspieler: Katharina Albertin, Verena Albertin, Oliver Buhl, Horst Knoerrer, Urs Kunz, Rachel Manetsch, Fabienne Mathier, Susanna Petrin, Sabine Schröder, Sonja von Rimscha, André Woodtli.
Regie: Jürg C. Maier Assistenz: Peter Christen. Ort: Maiers, Zürich, Vorstellungen: 6, Zuschauer: 750
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2008
Elias Canettis: "Die Hochzeit"
Enkelin Toni wartet täglich darauf, dass ihre Großmutter, die Hausbesitzerin Gilz, stirbt. Aber nicht nur sie versucht, sich die Erbschaft zu sichern, auch die anderen Hausbewohner setzen alles daran, die Gilz dazu zu bringen, ihnen das Haus zu überschreiben.
Im gleichen Haus, in welchem die alte Gilz liegt, wird Hochzeit gefeiert. Es heiratet die Tochter des Baumeisters Segenreich. Aber es läuft auch ringsum: Die Brautmutter verführt ihren Schwiegersohn, die Braut sucht sich bereits die zukünftigen Hausfreunde aus und der in die Jahre gekommene Dr. Bock ist hinter jeder Frau her. Gastgeber wie Gäste leben ihre Begierden aus. Auf dem Höhepunkt der Feier schlägt der „Idealist“ Horch ein Spiel vor: Jeder soll erklären, was er bei einem Unglück zur Rettung seiner Liebsten tun würde. Und aus dem Spiel wird alsbald Wirklichkeit... und jede und jeder versucht, sich selbst zu retten!
In der heiter-radikalen Bearbeitung von spielspitz werden einige Rollen weggelassen, wird auch viel Mundart gesprochen, wird getanzt und gesungen und wirkt der Idealist als Alleinunterhalter. So findet der Weltuntergang definitiv in Zürich statt und Canetti wird hochaktuell: Besitzstreben und Sex verwandeln sich in individuelle Überlebenskämpfe, gesellschaftliches Spiel in tödlichen Ernst, Ahnungslosigkeit in Zynismus. Die Hochzeitsgesellschaft bricht hoch virtuos auseinander.
Schauspieler: Doris Ammari, Tanja Genina, André Woodtli, Verena Albertin, Sonja von Rimscha, Oliver Buhl, Silke Wiese, Martin Pauli, Mario Studer, Silvano Galanti, Anja Wackersreuther, Karin Maurer, Oliver Daume, Katharina Albertin, Fanny Vàzquez, Johanna Wyss, Ömer Keser.
Regie: Mathias Werder. Ort: Bühne S, Zürich. Vorstellungen 5, Zuschauer: 300.
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